Resilienz – also die Fähigkeit, Stress zu verkraften und wieder in die eigene innere Balance zurückzufinden – ist für viele neurodivergente Menschen ein sensibles Thema. Ob ADHS, Autismus oder Asperger-Syndrom: Das Nervensystem arbeitet häufig intensiver, schneller überreizt, und Erholungsphasen dauern länger. Dadurch fühlt sich der Alltag manchmal so an, als würde man ohne Puffer und ohne Schutz durch die Welt laufen.

Dabei ist wichtig: Resilienz ist nichts, was man einfach schnell „herzaubern“ kann.
Sie entsteht über Zeit, kleine Gewohnheiten, passende Werkzeuge und ein liebevolles Verständnis für die eigenen Grenzen. Für neurodivergente Menschen ist Resilienz oft niedriger, weil…
- Reize stärker oder anders wahrgenommen werden,
- soziale Situationen mehr Energie verbrauchen,
- der Alltag durch Exekutivfunktions-Herausforderungen schneller überwältigend wird,
- Erholungsbedarf höher ist,
- Routinen schwerer zu etablieren sind
- anfälliger für (Mikro)Traumata
Viele neurodivergente Menschen entwickeln durch chronische Überlastung zusätzlich Schlafprobleme – und guter Schlaf ist einer der wichtigsten Bausteine von Resilienz. Mehr über wirksame Schlafhygiene und geeignete Tools findest du in meinem separaten Artikel: Schlafhygiene: 9 Tools, die neurodivergente Menschen wirklich nutzen
Gerade deshalb lohnt es sich, einen persönlichen Werkzeugkasten aufzubauen, der sofort Entlastung gibt – während man langfristig vielleicht Therapieplätze, Coaching oder Diagnostik abwartet. Die folgenden Produkte ersetzen keine Therapie, können jedoch dabei helfen, den Alltag zu regulieren, Pausen zu ermöglichen und das Nervensystem zu stabilisieren.
1. „Luise braucht ’ne Pause“ – Ein Buch, das neurofreundlich erklärt, warum Pausen lebenswichtig sind
Viele neurodivergente Menschen kämpfen mit Pausen: entweder sie vergessen sie, erlauben sie sich nicht oder verstehen nicht intuitiv, wann ihr Nervensystem bereits am Limit ist. Gerade bei Mädchen und Frauen mit ADHS oder Autismus zeigt sich Überforderung oft anders. In diesem Artikel geht es genau darum: ADHS, Autismus & AuDHS bei Mädchen und Frauen – warum sie oft übersehen werden und was vielen hilft
Das Buch „Luise braucht ’ne Pause“ bietet Kindern und auch ihren Eltern einen sanften Zugang zu dem Thema: humorvoll, entlastend und alltagsnah. Es zeigt, dass Pausen kein Luxus sind – sondern ein Teil von Resilienzaufbau.
2. Atemhilfen & Breathwork-Tools für akute Regulation
Atemtechniken sind einer der schnellsten Wege, das autonome Nervensystem zu beruhigen. Besonders hilfreich:
- Atemtrainer zur Verlängerung der Ausatmung
- „Breathing Necklace“ für bewusstes, verlangsamtes Atmen
- Kleine Karten-Sets mit visuellen Atemmustern (z.B. Box Breathing, 4-7-8 Methode)
Sie eignen sich für Arbeit, Schule, unterwegs oder Momente der Reizüberflutung.
3. Soziale-Batterie-Pins: Grenzen sichtbar machen, ohne erklären zu müssen
Diese kleinen Anstecker zeigen z.B. „Batterie niedrig“, „Bitte heute wenig Input“ oder „Brauche Pause“.
Für viele neurodivergente Menschen ist es erleichternd, nicht jedes Mal verbal erklären zu müssen, warum gerade eine Pause notwendig ist oder warum Smalltalk nicht geht. In Familien bieten sich auch Codewörter an, die man dann einfach nur kurz sagen muss und für die vorher einmal Regeln festgelegt wurden – ein eindeutiges Wort, das also niemand erklären muss.
4. Timer & Pausenmanager – damit dein Körper nicht übergangen wird
Gerade bei ADHS, aber auch bei Autismus gehen Körperbedürfnisse im Hyperfokus schnell verloren. Das natürliche Bedürfnis nach einer Pause wird also nicht rechtzeitig erkannt.
Hilfreich sind:
- visuelle Timer
- Pausen-Apps ohne grelle Darstellung
- Pomodoro-Timer speziell für Neurodivergenz
- Sanduhren zur Reizreduktion
Diese Tools helfen, sanft Unterbrechungen einzubauen – beim Arbeiten, Lernen oder Haushalt.
5. Vibrations- oder Reizreduktionstools „für den Moment“
Für Menschen mit Autismus oder ADHS kann taktile oder propriozeptive Regulation sofort entlasten:
- Gewichtskissen für den Schoß
- Hand-Massagegeräte für tiefe Druckreize
- Akupunktur (Fingerringe, Kissen, Matte)
- Fidget-Tools in erwachsener Optik
- Wiederverwendbare Eiswürfel
Sie helfen, Stressenergie abzubauen und den Körper zu spüren – ein wichtiger Baustein von Resilienz.
6. Duftprodukte für Beruhigung oder Fokus
Gerüche wirken direkt auf das limbische System und damit auf emotionale Regulation. Ideal für den Resilienz-Alltag:
- Lavendel, um das Nervensystem herunterzufahren
- Zitrusdüfte für Klarheit bei ADHS
- Waldnoten für grounding
- Mini-Roll-ons für unterwegs
Hinweis: Düfte ersetzen keine Therapie, können aber Übergänge sanfter machen – z.B. nach der Arbeit, vor dem Schlafen oder nach sensorischer Überlastung.
7. Pausenprodukte für unterwegs: Dein mobiler Resilienz-Koffer
Damit Pausen wirklich passieren, brauchen viele neurodivergente Menschen Werkzeuge, die sofort verfügbar sind:
- kleine Noise-Reducing-Ohrstöpsel
- Mini-Tagebuch zum Ablegen von Gedanken
- Reizschutz-Hauben oder Caps
- Sonnenbrille
- Folding-Seat-Pads für spontane, kurze Pausen
- alles aus dieser Liste, was in die Tasche passt
Sie helfen, den Körper zu „resetten“, bevor Überlastung sich aufbaut.
8. Grenzen setzen: Tools, die Kommunikation erleichtern
Resilienz wächst, wenn man seine Energie schützt.
Praktische Helfer:
- Karten für „Ich brauche gerade…“-Statements
- Grenzen-Poster für Eltern oder Neurodivergente im Homeoffice
- Türschilder wie „Bitte nicht stören“ oder „Reizpause“
- Im Kartenspiel für Familien „Mach ein Spiel draus!“ geht es darum, langweilige Tätigkeiten wie Zähneputzen, Anziehen und Haare Waschen in ein Spiel zu verwandeln – ein neuer Ansatz an das Thema „Kooperieren“.
Solche Tools geben Sicherheit – besonders für Menschen, die verbal schnell überfordert sind.
9. Gefühle benennen: Unterstützung für neurodivergente Kinder
Gerade neurodivergente Kinder erleben Gefühle oft sehr intensiv. Wut, Traurigkeit oder Überforderung kommen schnell – Worte dafür fehlen aber häufig. Bücher können hier eine sanfte Brücke bauen.
Das Kinderbuch „Land der Gefühle“ unterstützt Kinder dabei, Emotionen zu erkennen, zu benennen und einzuordnen – ohne Druck, ohne Bewertung. Es eignet sich besonders für Kinder mit ADHS, Autismus oder Hochsensibilität, aber auch für alle, die ihre innere Welt besser verstehen möchten.
Als ergänzendes Tool kann es Resilienz stärken, ersetzt jedoch keine Therapie. Gerade für Familien auf Wartelisten kann es eine wertvolle Unterstützung im Alltag sein.
10. Stresspausen im Sport & Freizeitstress reduzieren

Viele neurodivergente Menschen überfordern sich im Sport, weil Körpersignale schwer einzuordnen sind oder weil Perfektionismus drängt. Hilfreich können sein:
- Puls-Armbänder/KI-Waagen/Fitnesstracker zur Wahrnehmung von Überlastung und Mustererkennung von Stresssymptomen
- sanfte Trainingsbänder statt intensiver Workouts
- Kühlpads oder Pferdesalbe für schnelle Reizberuhigung nach dem Sport (wenn keine Möglichkeit für eine kalte Dusche besteht)
- Sporttimer mit Pausenerinnerung
- Für Frauen: von ChatGPT einen zyklusbasierten Trainingsplan erstellen lassen
Diese Produkte unterstützen, ohne Druck zu trainieren – und ermöglichen echte Erholung.
Fazit: Resilienz wächst langsam – und du darfst klein anfangen
Resilienz ist kein Muskel, den man einmal anspannt und dann funktioniert alles. Sie entsteht durch viele kleine Momente der Selbstfürsorge, durch Pausen, Grenzen, gute Routinen – und durch das Verständnis dafür, dass dein Nervensystem anders arbeitet. Neurodivergente Menschen brauchen oft mehr Erholungsphasen, klarere Strukturen und eine Umgebung, die weniger Reizflut erzeugt. Und genau das ist kein Mangel, sondern ein Hinweis darauf, wie du dich schützen kannst. Es ist auch in Ordnung, die Dauer eines Aufenthalts mit vielen Reizen zu verkürzen oder mal etwas abzusagen. Manchmal reicht auch schon ein kurzer Ortswechsel.
Die vorgestellten Tools ersetzen keine Therapie – aber sie können Wege öffnen, Stabilität schaffen und den Alltag spürbar leichter machen. Besonders in Zeiten, in denen man noch auf Wartelisten steht oder einfach Soforthilfe braucht, sind solche kleinen Hilfen oft ein wichtiger Anker. Du darfst es dir leichter machen. Schritt für Schritt.
